Vor 90 Jahren: "Roter Tag" in Düren

Veröffentlicht: Sonntag, 26. Juni 2016

Für den 26. und 27. Juni 1926 hatte der Gau Mittelrhein des Roten-Frontkämpfer-Bundes (RFB) zu einem „Roten Tag“ nach Düren eingeladen. Zur Teilnahme rief der RFB die Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und weiterer kommunistischer und Arbeiterorganisationen aus den Regierungsbezirken Aachen und Köln, dem Niederrhein und dem Ruhrgebiet auf.  Die Veranstaltung stand unter anderem unter dem Motto „Für ein Sowjet-Deutschland!“ und „Gegen Reaktion und neue imperialistische Kriege!“. Höhepunkt des „Roten Tags“ war eine Demonstration am 27. Juni 1926, an der zwischen rund 2200 (amtliche Angabe) und 10.000 (KPD-Angabe) Personen teilnahmen. In jedem Fall war der „Rote Tag“ für die (kommunistische) Dürener Arbeiterbewegung ein herausragendes Ereignis, zu dem wir 90 Jahre später einige Dokumente veröffentlichen:

1) einen Artikel aus der KPD-Zeitung „Aachener Arbeiter-Zeitung“ von Mai 1924, über einen „Roten Tag“ in Leipzig.

2) einen in der „Arbeiter-Zeitung“ publizierten Aufruf zum „Roten Tag“ in Düren

3) einen Bericht aus der „Arbeiter-Zeitung“ sowie

4) einen Bericht aus der „Dürener Zeitung“ über den „Roten Tag“.

5) "Fahneneid" des Roten Frontkämpferbundes (RFB)

Werbung für den "Roten Tag" in Düren (aus: Arbeiter-Zeitung vom 25. Juni 1926).


Eine umfangreiche Veröffentlichung zum Thema hat Günter Bers unter dem Titel „Düren in Rot. Die Demonstration des Roten-Frontkämpfer-Bundes (RFB) anlässlich des 'Roten Tages' in der Stadt Düren im Jahre 1926. Eine Dokumentation.“ vorgelegt. Der Band ist 2011 in der „Kleinen Schriftenreihe“ der Josef-Kuhl-Gesellschaft e.V. erschienen.

Dokument 1:

Roter Tag gegen den Deutschen Tag

Jetzt muß Schluß gemacht werden mit diesen Hakenkreutzlern und mit diesen deutschnationalen Paraden. Deshalb Schluß, damit die Halunken sehen, daß die deutschen Arbeiterfäußte stärker sind als die völkischen Organisationen, die mit Preußen-und Hitleruniformen bekleidet, und mit einem Wald von reaktionären Fahnen herumziehe unter dem Klang der Musik einer hochwohllöblichen „republikanischen“ Reichswehr, während die Ludendorffer und sonstigen Helden aus dem Weltkriege ihre feisten Glieder in die alten Uniformen hüllen, wie die Esel, die sich ein Löwenfell um sich nehmen und geschmückt mit dem alten wilhelminischen Klempnerladen, die Feldwebelfresse in ernste Falten gezogen, Paraden abnehmen zur Verdummung derjenigen Spießbürger, die nicht verstehen, wozu das Brimborium gemacht wird.
Die Arbeiterschaft muß dem Gesindel jetzt ihre Paraden zeigen. Die Arbeiter werden nicht aufziehen mit Reichswehrkappellen und dem tumben Gesang „ Wir treten zum Beten“.
Wenn wir antreten, so treten wir jetzt an zum Dreschen. Wir wollen das Lumpengesindel auseinander knüppeln, wo es sich nur zeigt. Das Proletariat muß sich selbst helfen. Niemand hilft ihm; im Gegenteil, der sogenannte Staat mit seinen Staatsmitteln „tritt an“, aber nicht zum „Beten“, sondern zum „Arbeiten“, was nämlich so im bürgerlichen Staate für seine Organe, Polizei, Reichswehr usw. „arbeiten „ heißt, sie schießen, sie hauen, sie stechen auf Arbeiter, sie verhaften Arbeiter, und sie schützen die Hakenkreuzler und die wilhelminischen Generäle, Prinzenbastard, adelige Bettscheißer und das ganze Lumpengesindel, das jetzt erneut des „Reiches Herrlichkeit“ mimt. Schluß mit dieser Genwirtschaft!

Am Pfingstsonntag, so fordern es unsere sächsischen Organisationen, soll in Leipzig ein Roter Tag stattfinden.

Die Arbeiter werden keine Kriegerdenkmäler enthüllen, Die Arbeiter können noch nicht einmal ein Lenin-Denkmal enthüllen. Sie werden das tun, und sie müssen das tun: Überall wo in den Kommunen die Arbeiter die Mehrheit haben, dort müssen sie jetzt darauf drängen, daß Denkmäler des größten proletarischen Führers errichtet werden. Aber der Rote Tag soll etwas anderes sein, als eine Denkmal-Enthüllung. Aus jedem Betrieb in Deutschland, von jeder Gewerkschaft, die nicht mit Worten, sondern in Wirklichkeit den Klassenkampf will. ( von den reformistischen Bonzen will es keiner, aber die Arbeiter wollen es alle), aus jeder Stadt, von jeder Organisation müssen Delegierte nach Leipzig geschickt werden, damit wir der gesamten Bourgeoisie Deutschlands zeigen:
Die Kraft des deutschen Proletariats ist die Kraft eines Riesen, der geduldig noch sich duckt, aber das ganze bürgerliche Lumpengesindel zerschmettern wird, sowie es erst den Rücken gerade biegt.

(Aachener Arbeiter-Zeitung vom 19. Mai 1924)

Dokument 2:

Düren und Umgegend
Aufruf an alle proletarischen Organisationen und Ortsvereine Dürens

Werte Kameraden!
Am 27. Juni veranstaltet die Abteilung Düren des RFB ihren diesjährigen Roten Tag, verbunden mit Bannerweihe. Aus diesem Anlaß findet ein Treffen des gesamten Gaues Mittelrhein statt. Es gilt der Reaktion und dem Muckertum in unserer Spießbürgerstadt zu zeigen, daß die Arbeiterschaft nicht nur noch lebt, sondern daß sie auch zusammensteht, um der mit aller Brutalität systematisch betriebenen Ausbeuteroffensive die Stirn zu bieten und Einhalt zu gebieten. Die Not der geknechteten Arbeiterschaft wächst von Tag zu Tag. Das Unternehmertum trägt eine Kaltblütigkeit zur Schau, die zu allen Befürchtungen Anlaß gibt. Die Profitgier der Industriegewaltigen kennt heute keine Grenzen mehr. Die Rationalisierung soll durchgeführt werden, selbst wenn sie über unzählige Leichen der unteren Volksschichten schreiten muß.

Auf der anderen Seite sehen wir die Klique einiger Parasiten, die nicht weiß, wie sie sich mästen soll. Sie führt ein Schlemmerdasein, während unzählige Erwerbslose mitsamt ihren Frauen und Kindern am Hungertuch nagen. Sie feiern wahre Orgien in der Zeit der schwersten Depression, in einer Zeit, in der die werktätige Bevölkerung der ganzen Welt auf einem Vulkane tanzt.

Die Reaktion, die national-faschistische Verbände entwickeln eine fieberhafte Tätigkeit, die darauf hinzielt, die Arbeiterschaft vollends zu unterdrücken und den gestürzten Dynastien die Rückkehr zu ermöglichen. Den besten Beweis hierfür liefern uns die vor einigen Wochen aufgedeckten Putschpläne. Mittels 29 Paragraphen glaubt man die Arbeiterschaft in Ketten legen zu können. Der Strang soll hierbei als besonders abschreckend in den Vordergrund treten.

Die reaktionäre Marxregierung mitsamt den bürgerlich-sozialdemokratischen Ministern und Polizeipräsidenten unterstützen direkt und indirekt diese geheimen Putschvorbereitungen und verhelfen somit der Reaktion in den Sattel. Eine direkt erbärmliche und jämmerliche Haltung legen die Führer der Sozialdemokratischen Partei in dieser Hinsicht an den Tag, indem sie entgegen dem Willen der Bevölkerung auffordert, sich bei Aufmärschen der Faschisten an keiner Gegendemonstration zu beteiligen.

Die revolutionäre Arbeiterschaft hat diesem unverantwortlichen Treiben nun lange genug tatenlos zugesehen und tritt heute auf den Plan mit der Parole: Bis hierhin und keinen Schritt weiter!

Die Befreiung der Arbeiterschaft kann nur das Werk ihrer selbst sein. Wir erheben am 27. Juni laut und vernehmlich den Ruf: Eure Diktaturverordnungen und Putschabsichten schrecken uns heute nicht mehr. Schafft der Paragraphen die doppelte Anzahl und setzt hinter jedem die Todesstrafe durch Erhängen, so wird uns dies alles nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Zwingt die Bevölkerung nicht, die Diktaturverordnung nicht an den Leuten zu probieren, die uns damit zu beglücken gedenken.

Werte Kameraden! Zu diesem Sinne demonstriert die Arbeiterschaft am 26. und 27. Juni und deshalb bitten wir euch, uns an diesem Tage nach besten Kräften zu unterstützen und euch zahlreich an allen unseren Veranstaltungen zu beteiligen. Die Parole für den 26. und 27. Juni muß für jeden klassenbewußten Kollegen und Kameraden, für jeden freien Gewerkschafter heißen:

Auf zum Roten Tag in Düren! Arbeiterkorrespondent B.h.

(Arbeiter-Zeitung vom 24. Juni 1926)

Dokument 3:

Aufmarsch der Zehntausend in Düren
Gewaltige Beteiligung der Bevölkerung

Wenn die "Arbeiter-Zeitung" in ihrer Samstagausgabe von einer "Roten Front in Düren" schrieb, so war damit nicht zu viel gesagt. Jawohl, "Rot Front" beherrschte am vergangenen Sonntag die Stadt Düren, das bisher als Hochburg der schwarzen Reaktion gegolten hat. Auch die Dürener werktätige Bevölkerung ist durch die stetig vorschreitende Verelendung zu der Erkenntnis gelangt, daß sie mit dieser Gesellschaftsordnung brechen muß. Und sie lieferte den Beweis am Sonntag anläßlich des ersten Roten Tages, der in Düren veranstaltet wurde.

Tausende umsäumten die Straßen, durch die sich ein Demonstrationszug von Zehntausend Roter Frontkämpfer bewegte, davon der weitaus größte Teil in Bundeskleidung. Ein imposanter Zug, der sich durch eine äußerst straffe Disziplin auszeichnete. Wenn der am 18. April in Aachen abgehaltene Rote Tag eine aktive Teilnehmerzahl von sieben Tausend zählte, so ist das der beste Beweis, daß die
revolutionäre Klassenfront in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit eine bedeutende Stärkung zu verzeichnen hat. Allerdings fallen in diese Zeitspanne Ereignisse, die große Teile des bisher indifferenten Proletariats aufgerüttelt haben dürften. Der geplante Fürstenraub und die Haltung der monarchistischen Regierung im Verein mit den monarchistenfreundlichen Parteien, die trotz des Willens der 15 Millionen das Volk zu Gunsten der fürstlichen Strauchdiebe ausplündern wollen. Parteien, von der SPD aufwärts, waren es, die große Teile des Proletariats in ihrem Banne hielten, weil letztere immer noch glaubten, sie vertreten auch die Interessen der Werktätigen. Die Zeit vor und nach dem Volksentscheid ließ in ihnen eine bessere Erkenntnis Platz greifen. Gerade die
wenigen Tage nach dem Volksentscheid, wo sich die Fürstenknechte anschickten, nach echt "demokratischen" Grundsätzen 15 Millionen erwachsene und denkende Wähler zu vergewaltigen, waren es, die der Kommunistischen Partei und dem Roten Frontkämpfer-Bund großen Zuzug brachten. Beweis: Viele Neuaufnahmen nicht etwa in Werbekampagnen, sondern freiwillig und ohne einer besonderen Aufmunterung durch die Partei.

Und so konnte man durch die rege Anteilnahme der Dürener Bevölkerung merken, daß auch hier die letzten politischen Ereignisse nicht spurlos vorübergegangen sind und das für sie der Gedanke an eine proletarische Revolution nichts Schreckhaftes mehr bedeutet. Es bedarf hier nur noch eines Anstoßes und der Rote Tag war zweifellos das geeignetste Mittel dazu.

Der Aufmarsch selbst vollzog sich, wie man es heute nicht mehr anders gewohnt ist, in mustergültiger Weise. Nach Eintreffen des letzten Kraftwagens Roter Frontkämpfer formierte sich der ungeheuer Zug, der sich um 2 Uhr dreißig Minuten in Marsch setzte. Drei Stunden lang ging es durch die Straßen der Stadt wieder zurück zum Ausgangspunkt, dem Alten Wasserturm. An die hundert rote Fahnen wogten über den Dahinmarschierenden, unzählige Transparente mit aktuellen Forderungen wie: "Fort mit der Regierung", "Fort mit dem Reichstag", "Bildet die Einheitsfront", "schafft Rote Hilfe" usw. bekundeten den Zweck der Demonstration. Zu Ehren der Dürener Polizei muß gesagt werden, daß auch sie durch vollzähliges Erscheinen, zu Fuß, per Rad und auch zu
Pferde, mit dazu beitrug, um dem Ganzen ein revolutionäres Gepräge zu geben. Wäre sie nicht dagewesen, so wäre die Sache nicht vollständig gewesen. Sie waren jedoch sehr zurückhaltend, da auch. sie von der Größe des Aufmarsches einigermaßen überrascht gewesen sein dürften. Ihren Gesichtern konnte man es deutlich ansehen. Freilich paßten dazu nicht die Mordabzeichen [E.K.], die einzelne zur Feier des Tages angelegt hatten. Düren ist nun einmal nicht Deutschland.

Auf dem Platz am Alten Wasserturm trug die "Freie Sängervereinigung" Köln den Chor „Tord Foleson“ vor. Sodann begrüßte Genosse Stahl den Roten Tag im Namen der Kommunistischen Partei und übermittelte die Grüße des zurzeit tagenden Bezirks-Parteitages Mittelrhein. Die Partei dankt dem RFB für die propagandistische Arbeit beim Volksentscheid. Wenn, so führte Genosse Stahl aus, es möglich war, diese ungeheure Stimmenzahl von 15 Millionen zu erreichen, so ist das zum großen Teil den Kameraden des RFB zu verdanken. Der RFB stellte sich bei der Propaganda an die Spitze. Überall, in allen Teilen des Reiches, kam es dabei zu Zusammenstößen mit den faschistischen Horden, die da glaubten, durch blutigen Terror die Volksbewegung zu ersticken. Der RFB verteidigte unter Einsatz von Blut und Leben die Rechte der Werktätigen. Dabei wurde auch in unserem Bezirk ein Kamerad ein Opfer der faschistischen Meuchelmörder und zwar in Siegburg. Er hofft, daß der RFB weiter in diesem Sinne arbeiten wird.

Genosse Strobl übermittelte im Auftrag des Bezirksvorstandes der "Rote Hilfe" Mittelrhein die Grüße dieser Organisation sowie auch der proletarischen politischen Gefangenen, die ihrer Befreiung harren.

Willy Leow (rechts), Hauptredner beim "Roten Tag" in Düren, hier gemeinsam mit Ernst Thälmann beim 3. Reichstreffen des RFB in Berlin 1927. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-Z0127-305 / CC-BY-SA 3.0

Für die Reichsleitung des RFB sprach der 2. Bundesvorsitzende Kamerad Leow. Die gemeinsame Not und das gemeinsame Elend wird auch im schwarzen Düren die gemeinsame rote Klassenfront schmieden. Es wird ein rotes Düren daraus entstehen. Hindenburg der Retter rettet das Volk nicht vor völliger Verelendung. Er rettet die Bourgeoisie und die Hohenzollern. Heute muß es darum heißen: Rettet euch vor dem Retter! Die Erwerbslosigkeit wächst täglich. Millionen werden ein Opfer der "Rationalisierung". 11.200 Konkurse im vorigen Jahre zeigen den Grad der Verelendung
des Mittelstandes. Bis hierher und nicht weiter, und lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Diese Republik ist nicht unsere Republik. Unter ihren Farben wird das werktätige Volk und der Mittelstand ausgeplündert und muß zu Grunde gehen, wenn es sich nicht zur Gegenwehr aufrafft. Deshalb kämpfen wir für eine andere Republik, die wir uns selbst schaffen müssen. Es ist deshalb an der Zeit, daß sich die Arbeiterschaft zusammen findet um diese Republik, in der Tausende klassenbewußter Arbeiter eingekerkert werden, zu stürzen. Auch die Reichsbannerkameraden werden einsehen müssen, daß sie für die Erhaltung dieser Republik nicht kämpfen können, da auch sie von ihrem Schützling gestoßen und getreten werden. Die Soldaten der Roten Klassenfront schwören, daß sie kämpfen werden bis zum letzten Schlage ihres Herzens,
bis zum Sieg der deutschen Arbeiterklasse. Mit einem dreifachen "Rot Front" schloß Kamerad Leow seine Ausführungen. Ein kräftiges Rot Front aus tausenden Proletarierkehlen antwortete ihm.

Ein erhebender Moment war es, als die Roten Frontkämpfer stehend mit erhobener Faust den Fahneneid des Roten Front-Soldaten leisteten. Sodann erfolgte die Übergabe der Fahne (5) an die Abteilung Düren. Der gemeinsame Gesang der Internationale beschloß die imposante Kundgebung. Ergriffenen Herzens standen Dürener Arbeiter, die bisher noch nicht den Weg zur Klassenfront des revolutionären Proletariats gefunden hatten, inmitten der Frontkämpfer, ohne sich von der Stelle zu rühren. Auch sie werden endlich begriffen haben, worum es geht, daß sie nicht mehr länger abseits stehen dürfen und sich einreihen müssen in die Einheitsfront des klassenbewußten Proletariats. In diesem Sinne wird der Rote Frontkämpfer-Bund weiter wirken zum Schrecken der Ausbeuter und ihrer Handlanger gegen faschistischen Terror zum Segen der Arbeiterklasse.

(Arbeiter-Zeitung vom 29. Juni 1926)

Dokument 4:

Aus Stadt und Kreis
Düren, 28. Juni 1926

Roter Tag. So ähnlich mag es ausgesehen haben in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts, als in Paris die roten Jakobinermützen das Straßenbild beherrschten und die aufgepeitschten Massen nach Brot und Blut schreiend durch die Straßen von Orleans und Paris zogen. Oder auch vor einigen Jahren in Rußland , als die rote Fahne gehißt wurde unter Lenin und Trotzki und die Erde rotes fließendes Zaren- und Fürsten- und Bürgerblut trank. So ähnlich wie die große Demonstration am Sonntag nachmittag zum "Roten Tag" in Düren, wo auch die roten Banner wehten und Frauen mit roten
Kopftüchern, gleich französischen Jakobiner, singend und oft auch "Nieder! Nieder!" schreiend im Demonstrationszuge durch die Stadt zogen. Während in Paris und Petersburg wie Oberhaupt bei den großen Revolutionen wirre, verworrene Massenknäuel durch das vorangetragene "Rote Tuch" gehetzt und aufgepeitscht wurden, vollzogen sich die Demonstrationszüge der "Rote-Front-Soldaten" in Düren geordneter und disziplinierter. Während der gestrigen Demonstration, an welcher sich die Roten Bunde von Aachen, Köln und Umgebung beteiligten, ist es zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen. Auch die übrigen Veranstaltungen mit Konzerten in Norddüren und am alten Teich und der großen Kundgebung am alten Wasserturm mit Schwur und Fahneneid verliefen programmäßig.

(Dürener Zeitung vom 28. Juni 1926)

 

Dokument 5:

"Fahneneid" des RFB:

Wir klassenbewußte Proletarier schwören:
alle Kräfte einzusetzen
im Kampf um die Befreiung aller Werktätigen
von kapitalistischer Ausbeutung, Unterdrückung und Verfolgung.

In eiserner Disziplin und strengster Zucht
unterwerfen wir uns allen Befehlen und Anordnungen
die im Kampf für das Interesse des Proletariats notwendig sind.

Die schärfste Verachtung der arbeitenden Klasse
und das strenge Urteil der revolutionären Gerechtigkeit
treffe jeden, der der roten Front untreu wird,
oder Verrat an den Interessen des Proletariats übt.

Frontkämpfer auf, die Faust gestreckt.
Wir schwören rot. Sieg oder Tod.
Dem großen Klassenkampf sind wir geweiht.
Wir sind die roten Pioniere einer neuen Zeit.

Sieg oder Tod ein heiliger Schwur
Wir leben oder sterben für dich
du rote Fahne der Proletarier-Diktatur.

 

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